Wie ich meinen Führerschein bekam.

Hei du ♥
Im letzten Kapitel habe ich dir erzählt, wie das Autofahren noch schlimmer für mich wurde, als es das eh schon war und, dass ich auf Grund verschiedenster schlechter Erfahrungen schließlich die Fahrschule gewechselt habe. Zwar war mir aus jetziger Sicht mein erster leicht cholerisch angehauchter Fahrlehrer als Person lieber, als das zweite politisch ziemlich rechts orientierte Exemplar, aber fachlich war der zweite definitiv um Welten besser. Bei ihm war das Parken endlich kein Glücksspiel und die Autobahn keine Horrorszenario mehr. Zwar war ich bei ihm immer kurz davor das Auto gegen den Baum zu fahren, weil ich keinen weiteren homo- oder xenophoben Spruch mehr hören wollte, aber immerhin war ich bei ihm verhältnismäßig entspannt.
Obwohl ich von mir selbst dachte, ich würde das mit dem Fahren nie auf die Reihe bringen, sagte er mir bei der ersten Fahrstunde schon, dass wir bald fertig sind, weil ich super fahren würde. Tatsächlich war drei Wochen später mein Prüfungstermin.
In der Nacht vor der Prüfung habe ich ungelogen wenn überhaupt drei Stunden geschlafen und dazwischen war ich in einer Art Dämmerzustand, in dem ich jegliche Horrorszenarien vor meinem inneren Auge sah und nicht damit aufhören konnte. Ich hatte keine Angst durch die Prüfung zu fallen, da ich mir sicher war, dass das passieren würde. Meine tatsächliche Angst galt eher den Gedanken an einem weiteren Unfall oder, dass ich mich übergeben müsste.
Letztendlich holte mich mein Fahrlehrer an einem Freitag kurz vor Ostern zu Hause ab, ich durfte zum Prüfungsort fahren und die Zeit, bis der Prüfer kam nutzte er um mir technisches Wissen einzuprügeln. Das mit dem technischen Wissen war so eine Sache, das konnte ich fast so gut, wie einparken - nämlich wenig bis gar nicht. So fand der Prüfer bei seiner Ankunft als ein heulendes Häufchen Elend vor und gestand mir später er hatte Angst ich würde nur wegen meiner Nervosität durchfallen. Jedenfalls war dieser Prüfer einer der verständnisvollsten, nettesten und wunderbarsten Menschen, die ich je kennen lernen durfte. Statt sich über mich lustig zu machen, wie es Fahrlehrer Nummer 1 getan hätte, beruhigte er mich, gab mir die Zeit, die ich brauchte und baute mich auch während des Fahrens die ganze Zeit noch mit positiven Kommentaren, wie "Frau Im-Nachhinein-Betrachtet, Sie fahren wirklich wunderbar flüssig, ich merke gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.", oder "Frau Im-Nachhinein-Betrachtet, bei Ihnen fährt man wirklich gerne mit, ich fühle mich sehr sicher bei Ihnen.". Kurz bevor wir zurück am Anfangsort waren erzählte er mir, dass seine Frau auch panische Angst vor dem Fahren hat und er das sehr gut verstehen kann.
Schlussendlich gratulierte er mir zum Führerschein und sagte zum Abschied: "Normalerweise wünsche ich Fahranfängern immer eine vorsichtige Fahrt, aber bei Ihnen bin ich mir sicher, dass nie etwas passieren wird. Sie sind eine beeindruckend starke Person."
So stand ich da also; weinend vor Erleichterung, mit einem Grinsen im Gesicht und mit dem Führerschein in der Hand.
Und im Nachhinein betrachtet - was habe ich daraus gelernt? Manchmal werden die schlimmsten Tagen zu den Besten und die Menschen, von denen man die schlimmsten Horrorstorys hört, die liebsten auf der ganzen Welt. Ich bin mir sicher, bei jedem anderen Fahrprüfer wäre ich durchgefallen. Danke!
Xx Ina ♥

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