Wie ich zur Verrückten wurde

Hei du ♥
Ich sitze im Chemieunterricht. In der großen Pause hatte ich irgendwie schon so ein flaues Gefühl im Magen, aber das hatte ich die letzten Monate öfter, also habe ich mir nichts dabei gedacht. Worüber meine Lehrerin geredet hat weiß ich nicht mehr, aber was sich dafür in mein Gehirn eingebrannt hat, war die erste Panikattacke meines Lebens, denn auf einmal, war ich wie weggetreten. Ich wusste nicht mehr, wo ich war und was die letzten Sekunden geschehen ist. Von einer Sekunde auf die andere war mir so schwindelig, dass ich dachte ich würde gleich umkippen. Irgendwie habe ich es geschafft zu fragen, ob ich kurz raus darf und sobald ich draußen war ging es mir wieder super. Ich dachte, ich hätte mir das alles nur eingebildet, denn auch den restlichen Tag über hatte ich keine Probleme. Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, konnte ich meine Beine nicht mehr richtig steuern und mir war unglaublich schlecht. Durch meinen Plan nur kurz zum Hausarzt zu gehen und mir was gegen die Übelkeit geben zu lassen, damit ich die Physikarbeit mitschreiben konnte, machten mir sowohl meine Mama, als auch meine Hausärztin, die mich ins Krankenhaus überwiesen hat, einen fetten Strich.
Dort wurde ich drei Tage lang auf den Kopf gestellt und während ich eine heute gute Freundin kennengelernt habe, konnten mir die Ärzte nur sagen, dass ich körperlich top fit bin. Nachdem ich trotzdem nicht in die Schule gehen konnte wurde ich wieder von meiner Hausärztin mit Depressionen krank geschrieben, was ich einfach nur für Schwachsinn hielt. Ich bin doch nicht verrückt. Ich funktioniere doch sonst auch immer. Die Ärzte haben bestimmt nur irgendetwas übersehen. Vielleicht stimmt ja doch etwas mit meinem Kreislauf nicht. Ja -Kreislaufprobleme-  das war die offizielle Begründung, weshalb ich knapp drei Monate nicht zur Schule gegangen bin und auch als ich wieder da war ständig raus musste oder schweißgebadet und zitternd nach Hause gegangen bin.
Irgendwann habe ich, dann gemerkt, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich hatte täglich mehrfach aus dem nichts heraus Atemnot, Schwindelattacken und so übertrieben es klingt Todesängste. Deshalb habe ich  mich dazu überwunden doch zu einer Psychologin zu gehen. Glücklicher Weise galt ich mittlerweile als "Notfall" und habe sofort einen Termin bekommen. Was ich auch bekommen habe war ein paar Wochen später eine Diagnose. Ina du hast generalisierte Panikstörung mit Depressionen als Nebeneffekt. Na schönen Dank auch. Mir wurden Antidepressiva, die ich nicht vertragen habe und eine Langzeittherapie, die insgesamt fast zwei Jahre gehen wird, verschrieben.
Bis ich mit der Tatsache klar kam, dass ich nicht einfach ein, zwei Pillchen einwerfen kann und in einer Woche wieder gesund bin, sonder psychisch krank bin und ein langer Weg auf mich wartet, bis ich wieder so funktioniere, wie ich das gerne hätte, hat es lange gedauert. Erzählt habe ich fast niemandem davon und, dass ich heute so offen darüber reden kann, hängt wohl mit dem allem zusammen, was ich seit diesem Dienstag im Herbst 2014 erlebt habe.
Und im Nachhinein - was habe ich daraus gelernt ? Ein Mensch, der psychisch krank ist, ist nicht verrückt! Er kann genau so wenig dafür, die jemand, der eine Grippe hat und ist auch genau so real krank. Er bildet sich das nicht ein und hat echte körperliche Symptome, nur kann man ihm nicht einfach ein Medikament geben und er ist wieder gesund, sondern er muss lange und hart an sich arbeiten, bis er wieder gesund ist.
Xx Ina ♥

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